Google DNI 2018: Drei Hamburger Unternehmen bekommen Förderung

Der Google Digital News Innovation Fund fördert jährlich innovative Projekte, die den Journalismus und seine Media Worker bei der digitalen Transformation unterstützen.

Der Google Digital News Innovation Fund fördert jährlich innovative Projekte, die den Journalismus und seine Media Worker bei der digitalen Transformation unterstützen. Mitbegründer Christian Heise von Google hat uns einige Fragen zum Innovationsfonds beantwortet und welche dabei die spannendsten Projekte aus Hamburg sind.

Christian Heise von Google Deutschland ist eine der innovativsten Köpfe der hiesigen Medienindustrie und neustes Mitglied der #dasmitMedien-Familie. Der Manager, Aktivist, Autor und Kurator hat den Digital News Innovation Fund mitaufgebaut. Dieser fördert Projekte, die den Journalismus und seine Media Worker bei der digitalen Transformation unterstützen. Eine Reihe von Google Experten und Vorstandsmitgliedern wählt jährlich aus einem Pool von Bewerbungen die vielversprechendsten Projekte aus. Mit über 150 Millionen Euro Investments allein in den letzten drei Jahren hat der Tech-Gigant somit schon viel für den digitalen Journalismus getan. Und es sollen noch mehr Investments folgen. Drei besonders interessante Projekte kommen in diesem Jahr dabei aus Hamburg:

VAMP


Das von Spiegel Online geplante VAMP-Projekt (Voice and Audio Monetization Platform) soll der nächste Schritt der Monetarisierung von Audio-Inhalten sein. Da sich Podcasts und Sprachassistenten an immer größerer Beliebtheit erfreuen, steigt auch deren Vermarktungs-Potenzial. VAMP will auch die Analyse von Audioinformationen verbessern. Und das alles als Open-Source-Software, die eine kollektive Mitgestaltung an dem Projekt ermöglicht.

Memberify

Mit Memberify arbeitet Gruner und Jahr an einem Konzept für Verlage, das bei der Vereinfachung von Mitgliedschaftsmodellen helfen soll. Das oftmals unübersichtliche Portfolio von kleinen und mittelgroßen Marken innerhalb eines Verlags ist dabei das Kernproblem, das gelöst werden soll. Somit könnten durch Memberify Services und Inhalte deutlich effizienter an die relevante Zielgruppe vermarktet werden.

Pledge

Auch das von followistic entwickelte Projekt Pledge will mit seinem innovativen Ansatz dem Digitaljournalismus Anreize liefern. Als eine Art Abo-Modell für Leser von freiberuflichen Journalisten, können letztere finanziell unterstützt werden. Mit einem variabel bestimmbaren Betrag landet dieser direkt beim Autor. So kann dem Journalisten etwas finanzieller Druck genommen werden, während Leser ihre Wertschätzung ausdrücken können.

Zur Einschätzung der diesjährigen Fonds-Unterstützung hat uns Christian Heise einige Fragen beantwortet:

In diesem Jahr ist neben Big Playern wie Gruner+Jahr und SPON auch Pledge, beziehungsweise Followistic, in der 5. Förderrunde. Gab es in den vergangenen Runden ein Hamburger Projekt, das dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Von Runde 4 ist mir besonders das Prototype-Projekt von ZEIT ONLINE im Gedächtnis geblieben. Mit Archivist versuchen meine Ex-Kollegen das Archiv besser entdeckbar zu machen. Ich bin gespannt, was aus den ganzen ungehobenen Schätzen der ZEIT wird.

Zudem freue ich mich auf das Voice and Audio Monetization Platform (VAMP) Projekt von Spiegel Online. Es bringt zwei sehr aktuelle Themen zusammen, für die bisher nur ansatzweise Lösungen ersichtlich sind: Audio und Monetarisierung. Dass SPON dabei auf Open Source setzt, begeistert mich besonders.

Es werden insgesamt zwölf Projekte aus Deutschland gefördert, erstmalig greifen die Deutschen aber nicht die größte Summe ab, die geht nach Frankreich. Müssen wir jetzt den Abgesang einleiten? Lässt Deutschland als Innovationstreiber nach?

Nein, einen Abgesang sehe ich hier überhaupt nicht. Ich glaube wir sind erst am Anfang einer Entwicklung, bei der wir den Umgang mit digitalen Innovationen in unsere hiesige Produktkultur neu definieren und integrieren. Ich empfehle den aktuellen Digital News Innovation Fund Report 2018 für einen detaillierten Überblick über die Projekte.

Wie muss ein Projekt eigentlich aussehen, um vom Google DNI gefördert zu werden?

Es gibt hier grundsätzliche Kriterien, die wir mit dem Start des Innovationsfonds definiert haben:

1. Innovationsgrad. Das Projekt sollte einen grundsätzlich neuen Ansatz der Zukunft und der Sicherung des Journalismus darstellen. Dabei geht es explizit nicht nur um Fortschreibung des Bestehenden oder bloße Modernisierung, sondern um ein komplett neues Denken oder eine neue Herangehensweise.

2. “Viability und Feasibility”. Das Projekt sollte also “überlebensfähig” und nachhaltig sein. Bei den Prototypen gilt das natürlich nur eingeschränkt.

3. “Impact”. Es sollte eine positive Wirkung auf das europäische Nachrichten-Ökosystem haben, neue Wege aufzeigen digitalen Journalismus zu konsumieren und Reichweite entfalten.

Neben diesen drei grundsätzlichen Anforderungen wurden in einigen Runden auch eigene Schwerpunktthemen, wie z.B. Monetarisierung, gesetzt.

Welche Vorteile hat diese Initiative für Google?

Ich glaube Google hat ein langfristiges und sehr intrinsisches Interesse an der Erhaltung von gutem Journalismus und einem funktionierenden Ökosystem für Nachrichten im Netz. Der Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen, aber auch die Meinungs- und Pressevielfalt war schon immer Teil ihrer Mission.

Darüber hinaus glauben wir an die Möglichkeiten von Kollaboration und Austausch. Ich bin ich der festen Überzeugung, dass die Initiative es schaffen kann, viele unterschiedliche Akteure an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam ein vielfältiges Online-Ökosystem zu gestalten und weiterzuentwickeln. Projekte, wie zum Beispiel AMP für beschleunigte Mobilseiten, können wir nur mit Partnern voranbringen.

Hast du Wünsche, Tipps, Anregungen an und für die Innovatoren von morgen?

Ich wünsche mir noch mehr Experimente! Der Fonds und andere Förderinstrumente bieten die Möglichkeit Dinge, die man sonst nicht realisieren könnte und würde, auszuprobieren. Davon möchte ich gern noch viel mehr sehen.